Motschenbacher – woher kommt der Name?

Der Name „Motschenbacher“ gehört vermutlich auch, wie z.B. die im Fränkischen recht häufigen „Hollfelder“ oder „Bamberger“, zu jener großen Gruppe von Familiennamen, die sich ursprünglich von der geografischen Herkunft ihrer ersten Träger ableitet: Motschenbach.

„Motschenbach” ist zum einen der Name eines winzigen Flusses und zum anderen der Name eines kleinen, nur wenige hundert Seelen zählenden Ortes im oberfränkischen Landkreis Kulmbach, im Gebiet der heutigen Gemeinde Mainleus, der nahe der Mündung der Motschenbach in den Main zu finden ist.

Wie viele andere in dieser Gegend, so ist auch der Ortsname Motschenbach slawischen Ursprungs. Das slawische Wort „mocna“, „motschna“ gesprochen, bedeutet eine „nasse Stätte”, ein vom Wasser durchzogenes Gebiet. Tatsächlich liegt der Ort Motschenbach in einer feuchten, fruchtbaren Senke.

Immer abseits, nie wirklich wichtig, dämmert Motschenbach auch heute fern der großen, lauten Welt dahin. Was in unserer kurzatmigen, hektischen Zeit nach willkommener, erstrebenswerter Idylle klingt, mag in früheren, viele Generationen zurück liegenden Epochen dem einen oder anderen Bewohner durchaus Anlass gewesen sein, woanders sein Glück zu suchen. Und der, welcher schließlich in der näher oder weiter entfernt liegenden Fremde lebte, liebte und arbeitete, der war und blieb für seine neue Umgebung eben der Mann aus Motschenbach, der Motschenbacher.

Natürlich möchte ich betonen, dass ich kein Namensforscher bin, daher würde auch mich letztlich eine wissenschaftlich fundierte Herleitung des Namens sehr interessieren. Doch die Erklärung, dass sich der Name vom altertümlichen Beruf des Mutzenbäckers (Mutze = ein zwiebackartiges Feinbrot, auch Mutsche genannt) ableiten soll, wie ich dies in US-amerikanischen Quellen im Internet gelesen habe, halte ich persönlich für eher unwahrscheinlich.

Ein Zusammenhang zwischen “-bacher” und “-bäcker” wird im Rahmen dieser Theorie wohl auch deshalb vermutet, weil das deutsche “ch” im Englischen an dieser Stelle wie ein “k” ausgesprochen wird. Da ist dann – aussprachlich gesehen – der Sprung vom “Bakker” zum englischen “Baker” eigentlich recht nahe liegend. Andererseits muss aber das Naheliegende nicht immer auch das Richtige sein.

Betrachtet man nämlich die geografische Verbreitung des Namens “Motschenbacher” in Deutschland, erkennt man deutlich, dass dessen Ursprung wohl im Fränkischen gelegen haben muss und er dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen geografisch ausgeprägten Bezug zur Region hat. Wäre er wirklich Ergebnis einer Herleitung aus der eher überregionalen Berufsbezeichnung „Mutzenbäcker”, müsste er dann folglich nicht auch wesentlich gleichmäßiger über ein viel größeres Gebiet verteilt sein?

Tatsächlich gibt es aber im deutschsprachigen Raum auch Träger von Namen wie “Motzenbäcker”, “Mutzenbecher” usw., bei denen die Ableitung vom guten, alten Mutzenbäcker schon eher zu unterstellen ist. Wie allerdings die weithin bekannte Romanfigur der Josefine Mutzenbacher hier ins Bild passen könnte, überlasse ich besser fantasievollen Anhängern erotischer Literatur.